
Leben:
Charlotte Knobloch gehört zu der Generation, die den Holocaust selbst miterlebt hat. Sie wurde am 29. Oktober 1932 in München als Tochter eines jüdischen Anwalts und einer aus Liebe zum Judentum konvertierten Mutter, geboren.
Dass die Mutter sich scheiden ließ, als die Schikanen der Nazis gegen "Nicht-Arier" zu groß wurden, hat Knobloch, geborene Neuland, ihr verziehen: "Jeder, der konnte, versuchte, sein Leben zu retten", sagt sie heute.
Knobloch wuchs nach der Scheidung der Eltern zunächst bei der Großmutter auf. Während der Nazi-Herrschaft wurde sie auf einem Bauernhof in Franken versteckt und als uneheliches Kind einer Hausangestellten ihres Vaters ausgegeben.Die Großmutter starb im Vernichtungslager Auschwitz.
Knoblochs Vater wurde von den Nazis als Zwangsarbeiter verschleppt, erst nach dem Krieg fand sie ihn in einem Münchner Krankenhaus wieder.Er gehörte zu den führenden Kräften bei der Neugründung der Israelitischen Kultusgemeinde München im Jahre 1945, in der er erst als Vize- später dann als Präsident wirkte.
Seine Tochter heiratete 1951 Samuel Knobloch, ein Überlebender des Krakauer Gettos.Eigentlich wollte das Ehepaar das Land der Täter verlassen und in die USA auswandern,aber die erste Schwangerschaft ließ diese Pläne platzen.
Nach der Geburt ihrer Kinder und den ersten beruflichen Erfolgen ihres Mannes, wurde die Familie sesshaft in München. Auch Charlotte engagierte sich bald lebhaft in der Israelitischen Kultusgemeinde München und wurde 1981 erstmals in den Vorstand gewählt.1984 übernahm sie den Vorsitz, den sie seitdem inne hat.
Seit seiner Gründung 1936 in Genf vertritt der Jüdische Weltverband die Interessen jüdischer Spitzenverbände und Organisationen öffentlich und mit Nachdruck. Immer wieder hat er vor wachsendem Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus weltweit gewarnt.
Seit Jahren gilt die heute 74jährige als eine der Führenden Figuren im jüdischen Leben in Deutschland.Im Zentralrat der Juden in Deutschland ist sie seit 1997 Vizepräsidentin.Das gleiche Amt übt sie seit 2005 im Weltverband aus. 2006 wurde sie als Nachfolger von Paul Spiegel zur Präsidentin des Zentralrats gewählt.
Nach 68 Jahren scheint sie angekommen zu sein. Seit dem November des Jahres 1938, als die Nazis die Synagogen anzündeten, sei ein Teil von ihr auf der Flucht gewesen, sagte Charlotte Knobloch bei der Grundsteinlegung der neuen Münchner Synagoge.Das war vor drei Jahren. Sie wollte an diesem Tag beginnen, ihre Koffer zu öffnen und "Stück für Stück, jedes einzelne Teil an seinen Platz zu räumen". Nach drei Jahren Bauzeit spricht sie nun vom Ankommen. Am Jakobsplatz hat sie am 9.November den Schlüssel der Synagoge erhalten. "Wir Juden sind wieder ein Teil des Landes. Wir haben gebaut. Wir bleiben. Denn wir gehören hierher."