
Am Projekt „Frieden braucht Mut“ haben sich mehr als vierzig Schüler aus Deutschland, Polen und der Ukraine beteiligt. In Form von Kollagen auf Karton wurden thematische Eindrücke verarbeitet, die von den Teilnehmern des Projektes im Verlauf einer Begegnungsreise durch die drei Länder gesammelt werden konnten. Im Mittelpunkt des Vorhabens stand die Auseinandersetzung mit Persönlichkeiten, die sich aufgrund ihrer Erfahrungen mit Krieg, Unterdrückung und Verfolgung mutig für das friedliche Zusammenleben der Menschen eingesetzt haben. Nachdem die aus Lwiw, Krasnystaw und München stammenden Jugendlichen im Verlauf der beiden ersten Stationen der Reise im Dezember des vergangenen Jahres zunächst ins ehemalige Lemberg in der Westukraine und anschließend nach Lublin in Polen gereist waren, führte die dritte Etappe im Februar 2007 nach Bayern. In den Räumen der Hanns Seidel Stiftung in Wildbad Kreuth lernten die jungen Leute auch hier Menschen kennen, die aus der Erfahrung mit Weltkrieg, Unterdrückung und Verfolgung individuell sehr unterschiedliche Impulse für ein friedliches Miteinander der Menschen gesetzt haben. Den Anfang machte Anna Lengenfelder. Die Initiatorin eines Hilfsprojektes zugunsten bedürftiger Kinder in den Karpaten hat viele Jahre ihres Lebens in sowjetischen Straflagern, dem GULAG, verbracht. Wie schwer es ist, sich dem selbst erlebten Grauen der NS-Konzentrationslager Dachau und Auschwitz immer wieder aufs Neue auszusetzen, um die Erinnerung daran nicht erlöschen zu lassen, ließ am folgenden Tag Max Mannheimer fühlbar werden. Was es bedeuten kann, die eigene Überzeugung nicht zu verraten, auch wenn viele Menschen dieses Handeln als Verrat betrachten, verdeutlichte einen Tag später Heinrich Graf von Einsiedel am Beispiel seines eigenen Engagements beim Bund Deutscher Offiziere und dem Nationalkomitee Freies Deutschland. Äußerst einfühlsam und persönlich gehalten verlief am vierten Tag schließlich die Begegnung mit Charlotte Knobloch. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland erinnerte daran, dass auch fehlende Zivilcourage in der Zeit der NS-Diktatur dazu beigetragen hat, die Ausgrenzung und Demütigung von Minderheiten und schließlich auch den Massenmord im Rahmen der Shoa geschehen zu lassen. „Ich frage mich, wie viel die Menschen hätten verhindern können, wenn sie den Mut gehabt hätten nein zu sagen.“ „An Ihnen liegt es,“ so Knobloch an die Jugendlichen gewandt weiter, „dass Menschen anderen Menschen so etwas nie wieder antun.“ Im Verlauf des Gesprächs ermutigte die Präsidentin die Jugendlichen ausdrücklich dazu, sich für ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen einzusetzen: „Die Verantwortung für eine Zukunft in Frieden liegt in Ihren Händen.“ Gefördert wurde das Vorhaben aus Mitteln des Fonds „Erinnerung und Zukunft“. Unterstützung erhielten die jungen Leute auch von der Stiftung „Frieden für Europa – Europa für den Frieden“ in Berlin, der Stiftung „Glückliche Kindheit“ in Lublin, der „Hanns-Seidel-Stiftung“ und der „Stiftung zur Förderung des Kleinen privaten Lehrinstituts Derksen“ in München.
hat als junger Offizier der Wehrmacht Mut bewiesen, indem er den Bund der Offiziere im Nationalkomitee Freies Deutschland bei Moskau mitbegründet hat. Nach dem Krieg hat er erneut Mut bewiesen, indem er der kommunistischen Diktatur in der DDR den Rücken kehrte, obwohl er in Westdeutschland als „Verräter“ gebrandmarkt wurde. Obwohl bis heute auch im eigenen Land oft noch immer verfemt, hat er seither immer wieder Zivilcourage bewiesen, wenn es darum ging, die Verantwortung für den Krieg vor „Umdeutungen“ zu bewahren.
hat sich in wechselnden Funktionen als Wissenschaftler und Politiker für sein Land engagiert. Zuletzt bewies er Mut, indem er sich trotz seines Alters bereit fand, die Leitung des Institut der Nationalen Erinnerung (Memorial) zu übernehmen, das von Präsidenten der Ukraine im Jahre 2005 gegründet wurde
Kürzlich wurde Frau Knobloch zur Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt. Seit vielen Jahren ist sie auch die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern und hat in dieser Funktion maßgeblich zum Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde beigetragen. Vorläufiger Höhepunkt ihres Wirkens war die Einweihung der neuen Synagoge am 9. November 2006 und das Zustandekommen des neuen Kulturzentrums. Sie bewies Mut, indem Sie trotz Ihrer Abstammung in Deutschland blieb und sie bewies immer wieder Mut, indem sie nicht locker gelassen hat, jüdischem Leben in München wieder eine Heimat zu geben.
ist „Russlanddeutsche“. Aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit wurde sie als junges Mädchen in der Sowjetunion zu langjähriger Lagerhaft verurteilt. Trotz der harten Erfahrungen als Verfolgte hat sie noch im hohen Alter damit begonnen, regelmäßige Hilfslieferungen für hilfebedürftige Kinder im Westen der Ukraine zu organisieren. Sie beweist seit Jahren trotz ihrer Erfahrungen immer wieder aufs Neue den Mut, Menschen um Hilfe für andere Menschen zu bitten und dann auch persönlich dafür zu sorgen, dass diese Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
ist der Sprecher der Lagergemeinschaft Dachau. Er war als Jude im Dritten Reich rassisch verfolgt und hat u.a. das Konzentrationslager Auschwitz überlebt. Er wurde, wie er es in seiner Biographie beschreibt, im Mai 1945 irgendwo in der Nähe von Tutzing zum 2. Mal geboren. Obwohl praktisch seine gesamte Familie in den Konzentrationslagern vernichtet wurde, hatte er den Mut, im Land der Täter zu bleiben. Er hatte diesen Mut auch, obwohl er aufgrund dieser Entscheidung von vielen Menschen insbesondere auch jüdischen Glaubens lange angefeindet wurde. Seit 1945 bemüht sich Mannheimer darum, insbesondere bei jungen Menschen die Erinnerung an die Vergangenheit wach zu halten. Besonderen Mut entwickelt Mannheimer seither auch damit, immer wieder das Gespräch auch mit jenen zu suchen, die die Geschichte umzudeuten versuchen. Es ist vermutlich seinem besonderen Engagement zu verdanken, dass in München der Ausgleich zwischen den Kulturen erreicht werden konnte.
war Metropolit von Galizien und gilt als bedeutendster Kirchenfürst der griechisch-katholischen Unierten Kirche der Ukraine im 20. Jahrhundert. Er bewies Mut, indem er sich der Besatzungsmacht in den Weg stellte und trotz des damit auch für ihn persönlich damit verbundenen Risikos öffentlich gegen die Verbrechen der NS-Machthaber protestierte.
war aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum polnischen Widerstand in den Konzentrationslagern Majdanek und Ravensbrück inhaftiert. Seit Jahren beweist wie immer wieder Mut, indem sie sich den schrecklichen Erlebnissen der Vergangenheit stellt und darüber vor allem auch jungen Menschen berichtet.
haben sich trotz der damit auch für sie persönlich verbundenen Gefahren, immer wieder für die eigenen Landsleute eingesetzt, die der Unterdrückung und Willkür der Besatzer in seiner Heimatstadt ausgesetzt waren. Besonderen Mut haben beide bewiesen, als sie 460 sieben- und achtjährige Kinder aus dem Übergangslager in Zwierzyniec retteten, die zuvor ihren Müttern weggenommen worden waren.