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Ein überzeugter Europäer im Gespräch mit Schülern der Oberstufe

Für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe wurde die Begegnung mit Dr. Theo Waigel zu einem besonderen Erlebnis.

Der frühere Bundesfinanzminister und CSU Vorsitzende Dr. Theo Waigel gilt als maßgeblicher Gestalter der deutschen Einheit und „Vater des Euro“. Für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe unserer Schule wurde die Begegnung mit ihm zu einem besonderen Erlebnis. Sehr lebendig trug er interessante Innenansichten zum Thema „Deutschland und Europa im Umbruch der späten 80er und beginnenden 90er Jahre“ vor. Es waren vor allem die persönlichen Erinnerungen aus seinen Begegnungen mit international hochrangigen Politkern und Wegbereitern der Deutschen Einheit, wie Michail Gorbatschow oder George Bush sen., die die Zuhörer beeindruckten. Nach der Begrüßung durch unseren Schulleiter Hans-Joachim Bötel lauschten die Schüler über eineinhalb Stunden sehr interessiert den Schilderungen Theo Waigels.

Theo Waigel sprach einleitend darüber, dass er Einladungen von Schulen gerne annehme, weil die „jungen Leute die Zukunft sind“ und in ihren Händen auch ein zukünftig friedliches Europa läge. Er erinnerte an ein Deutschland und Europa, das in zwei Weltkriege verstrickt war, die ca. 70 Millionen Menschen das Leben gekostet, viele heimatlos gemacht und in tiefe Armut gestürzt haben und nicht zuletzt Deutschlands Teilung zur Folge hatten. So käme es fast einem Wunder gleich, dass innerhalb eines Jahrzehnts früher verfeindete europäische Staaten zu einem geeinten Europa zusammengewachsen seien, ein geteiltes Deutschland wiedervereint wurde, sich die frühere Sowjetunion und der Warschauer Pakt aufgelöst haben – und dies, ohne dass ein einziger Schuss gefallen sei. Sehr persönlich schilderte er, dass auch seine Familie den Verlust seines älteren Bruders verkraften musste, der damals als 18-Jähriger im Zweiten Weltkrieg gefallen war. Er wurde auf einem Soldatenfriedhof im Elsass beerdigt. Rund 15.000 Opfer des Zweiten Weltkriegs haben dort ihre letzte Ruhestätte. So habe man ihm erzählt, dass auf dem Grab des Bruders Münzen lägen, die von Besuchern dort hingelegt würden. Der Grund dafür sei, dass der Leiter einer Jugendbegegnungsstätte dort seine Gäste oft an das Grab führe und von den Waigel-Brüdern und ihren Lebenswegen erzähle. „Er zeigt den Jugendlichen, dass jede Euromünze eine nationale und eine europäische Seite hat“, berichtete Waigel. Gerade die Verbindung dieser beiden Pole – das Europa der Regionen auf der einen, die Staaten- und Währungsgemeinschaft auf der anderen Seite – ist für Waigel von zentraler Bedeutung. „Die EU ist eine Friedensarchitektur, die es so in Europa noch nicht gegeben hat.“ Waigel mahnte, diese historische Chance mit Nachhaltigkeit zu füllen, denn ein Auseinanderbrechen der EU wäre eine Katastrophe. Auch als „Mister Euro“ bekannt - die Idee für den Namen der Währung wird ihm zugeschrieben - betonte Waigel die friedensstiftende Wirkung der gemeinsamen Währung. In seinen Ausführungen bezog er sich auch auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2013, die beschreibt, was ein Ausstieg aus dem Euro bedeuten würde. So heißt es dort: „Wenn Deutschland tatsächlich aus dem Euro aussteigen würde, hätte dies mit großer Wahrscheinlichkeit den Zusammenbruch der Währungsunion und eine Weltwirtschaftskrise zur Folge.“ Auch wenn Länder wie Griechenland, wie Waigel einräumte, nicht in die Währungsunion hätten aufgenommen dürfen, tragen wir jetzt eine Mitverantwortung, diesen Ländern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Er erinnerte  daran, dass auch Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Hilfe in Form des Marshallplanes erhalten habe. Darüber hinaus sei Deutschland 1953 im Londoner Schuldenabkommen die Hälfte der Nachkriegsschulden erlassen worden. „Dies sollten wir mitberücksichtigen, wenn es um Hilfe für andere geht“.

 

Am Ende seines Vortrages haben die Schüler noch Gelegenheit, in einer Frage-Antwort-Runde bestimmte Themen anzuschneiden. In einem Schlusssatz richtet sich Waigel wieder mahnend an die Schüler und betont, dass  Europa von der Solidarität lebe und Deutschland heute eine größere Verantwortung als je zuvor habe. Es läge vor allem in der Hand der jungen Generation, die historisch einmalige Chance zu nutzen. Er macht ihnen Mut für dieses Europa, das gerade der Jugend viele Chancen biete.

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Theo Waigel im Gespräch mit Schülern
Dr. Theo Waigel im Gespräch mit Schülern